Nuklearmedizin bedeutet, daß wir mit offenen, schwach radioaktiven Substanzen (= Nukliden) arbeiten, die Ihnen über eine Vene verabreicht werden. Mit Hilfe der von den Nukliden abgegebenen Strahlung, in der Regel Gammastrahlung, können wir die Funktion (oder Störungen der Funktion) verschiedener Organe bildlich darstellen. Oft sind diese Veränderungen durch andere Untersuchungen nicht sichtbar oder mit einem größeren Risiko für die Patienten verbunden.
Außerdem können wir ambulant, spezielle nuklearmedizinische Therapien durchführen.
Es gibt im Prinzip keine Risiken und Nebenwirkungen für den Patienten durch die verwendeten radioaktiven Substanzen in der nuklearmedizinischen Diagnostik. Natürlich ergibt sich durch die Untersuchung eine gewisse Strahlenexposition, die jedoch sehr gering ist.
Meistens ist diese niedriger als bei herkömmlichen Röntgenuntersuchungen, da wir heutzutage Nuklide verwenden, die nur eine sehr kurze Zeit eine radioaktive Strahlung abgeben und teilweise sehr rasch aus dem Körper, hauptsächlich über die Nieren, ausgeschieden werden. Deshalb empfehlen wir, nach der Untersuchung viel zu trinken und häufig die Blase zu entleeren.
Ausscheidung eines Nuklids über Darm und Nieren
Die Strahlenexposition für die Keimzellen liegt im Bereich derjenigen, die Sie durch die natürliche Strahlenexposition pro Jahr erhalten. Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte jedoch feststehen, daß aktuell keine Schwangerschaftvorliegt, da die radioaktiven Substanzen über den mütterlichen Blutkreislauf auch das ungeborene Kind erreichen.
Vergleich der Strahlenexposition in der Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin mit der natürlichen Strahlenexposition
Wartezeiten
Damit das zu untersuchende Organ sehr viel von der radioaktiven Substanz aufnehmen kann (dies ist für eine gute Qualität der Aufnahmen wichtig), müssen Sie nach der Verabreichung des Radionuklids eine gewisse Wartezeit in Kauf nehmen. Diese kann manchmal nur ein paar Minuten betragen, zum Teil aber auch bis zu drei Stunden dauern. Einige sehr seltene Untersuchungen verlangen sogar eine Wartezeit von 2 bis 3 Tagen.
So können Sie jetzt sicher verstehen, warum manche Patienten, die gerade erst gekommen sind, schon vor Ihnen untersucht werden.
Wir versuchen Ihnen die Wartezeit möglichst angenehm zu machen. Es gibt in unserem Wartebereich einen Kaltgetränke- und einen Heißgetränkeautomaten.
Sie werden in den Untersuchungsräumen sehen, daß aufwendige technische Apparaturen und die Datenverarbeitung für die Ermittlung der Untersuchungsergebnisse nötig sind. Aber Sie brauchen keine Furcht vor den Geräten zu empfinden, da die Untersuchungen absolut schmerzfrei durchgeführt werden. Nach der Wartezeit werden Sie von einer Assistentin vor oder unter ein Meßgerät, das die vom untersuchten Organ ausgesandte Gammastrahlung aufnimmt, einer sogenannten Gammakammera, positioniert. Die Untersuchungsgeräte finden sich in der Regel sehr nahe an Ihrem Körper. Manchmal bewegen sie sich an Ihrem Körper entlang oder routieren auch. Diese Gammakameras sind zur Bilddarstellung und Auswertung mit einem Computersystem verbunden.
Die einzelnen Aufnahmen (= Szintigramme) dauern je nach Organ 5 – 20 Minuten. Wir bitten Sie darum, während der ganzen Zeit ruhig liegen zu bleiben. Sollten Sie
in einer Körperregion Schmerzen haben, sagen Sie uns bitte vorher Bescheid. Wir werden uns bemühen, Sie in diesem Zeitraum so bequem wie möglich zu lagern.
Sie sollen wissen, daß die Strahlenexposition von der Anzahl der angefertigten Aufnahmen unabhängig ist, da die Strahlung nicht von den Untersuchungsgeräten ausgeht, sondern von Ihnen selbst.
In unserer Praxis werden folgende Typen von Gammakammeras benutzt:
- Kamera für Schilddrüsenuntersuchungen (Schilddrüsenszintigraphie)

- Kamera für Knochenuntersuchungen (Doppelkopfkamera)

- Kamera für Herz-, Nieren-, und Skelettuntersuchungen
(SPECT-Kamera)
Bei den meisten Untersuchungen ist keine Vorbereitung nötig. Einige Ausnahmen gibt es aber, bei denen der Patient nüchtern kommen muß, z.B. wenn sich die radioaktive Substanz stark im Darm einlagert und dies einen Störfaktor für die Untersuchung darstellt (z.B. Herzszintigraphie) oder wenn durch die Nahrungsaufnahme oder Einnahme von Medikamenten die Meßbarkeit oder Darstellung bestimmter Organe nicht mehr gewährleistet wird (z.B. Leberfunktionsuntersuchung)
Vorbereitung
Andere Untersuchungen verlangen, daß der Patient vor der Injektion oder in der Wartezeit zwischen Injektion und Untersuchung ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Dies dient z.B. der Anregung der Nierentätigkeit, wenn die Nierenfunktion gemessen werden soll. Oder es hilft, einen Teil der radioaktiven Substanz, die sich nicht in dem Organ einlagert, das untersucht werden soll, aus dem Körper auszuscheiden. Dies spielt beispielsweise beim Knochenszintigramm eine große Rolle.
Durchführung
Für die Untersuchung wird Ihnen eine radioaktive Substanz meistens in die Vene injiziert. Diese Substanz zirkuliert durch den Körper und gelangt in das Organ, das untersucht werden soll. Mit einer Sonde oder einer Gammakamera wird die Strahlung, die von der radioaktiven Substanz ausgeht, gemessen. Somit bekommen wir Informationen über die Funktion eines Organs. Zusätzlich können Aussagen über Durchblutungsverhältnisse bestimmter Organe gemacht werden. Es gibt auch einige wenige Untersuchungen, bei denen zusätzlich eine oder mehrere Blutabnahmen notwendig sind z.B. Nierenfunktionsuntersuchung, Schilddrüsenuntersuchung.
Untersuchungen
Einige der häufigsten nuklearmedizinischen Untersuchungen möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen:
Schilddrüsenszintigraphie:
- Information: Darstellung von funktionstüchtigem Schilddrüsengewebe (z.B.: Fragen nach heiße oder kalte Knoten, Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, disseminierte Autonomie, Entzündung der Schilddrüse) Die Schilddrüsenszintigraphie sollte mit einer Schilddrüsensonographie verbunden werden. Die Schilddrüsenhormonwerte werden von uns selbst bestimmt (ggf. sollten aktuelle Werte zur Untersuchung mitgebracht werden).
- nüchtern: nein
- Vorbereitung: keine
- Dauer: 20 – 40 min
Normalbefund
Knochenszintigraphie (Skelettszintigraphie)
- Information: Darstellung des Knochenstoffwechsels (z.B.: Fragen nach Tochtergeschwülsten bei bösartigen Erkrankungen, Aktivität entzündlicher Erkrankungen bzw. Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis)
- nüchtern: nein, aber nach Injektion des Nuklids 1 – 2 l Flüssigkeit zuführen
- Vorbereitung: keine
- Dauer: 2,5 – 3 Stunden
Normalbefund
Lungenszintigraphie
- Information: Lungendurchblutung und Belüftung (Frage nach einer Lungenembolie)
- nüchtern: nein
- Vorbereitung: keine
- Dauer: ca. 40 min
Normalbefund (Lungendurchblutung)
- Information: Beurteilung der Herzdurchblutung in Ruhe und unter Belastung, (z.B.: Fragen nach den Herzmuskel gefährdenden Engen der Herzkranzgefäße, Infarkten)
- nüchtern: ja
- Vorbereitung: nein, aber am Tag der Ruheuntersuchung Tabletten wie gewohnt einnehmen
- Dauer: Ruheuntersuchung:> ca. 2 Stunden
Belastungsuntersuchung: ca. 3 Stunden - Belastung: Wir führen die Belastung mit einem modernen Fahrradergometer mit 12-Kanal EKG-Ableitung und automatischer Blutdruckmessung durch.
Fahrradergometer
- Sollten Sie nicht Fahrradfahren können oder auf dem Fahrrad nicht ausreichend belastbar sein, wird entweder eine pharmakologische Belastung mit einem Medikament, das die Herzkranzgefäße erweitert (Dipyridamol) oder eine gemischt fahrradergometrische/pharmakologische Belastung durchgeführt.
Gefährdetes Herzmuskelgewebe (durch eine hochgradige Enge eines Herzkranzgefäßes)
Nierenszintigraphie
- Information: Beurteilung der seitengetrennten Nierenfunktion und der Nierengesamtfunktion (z.B.: Fragen nach Harnleiterabgangsengen, einseitiger Nierenarterienenge, Nierenschädigung durch Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, Kontrolle der Nierenfunktion vor und während einer Chemotherapie).
- nüchtern: nein
- Vorbereitung: Sie müssen ½ h vor der Untersuchung 1 l Flüssigkeit trinken (in der Praxis)
- Dauer: ca. 45 min
Normalbefund
rote Kurve: linke Niere
grüne Kurve: rechte Niere
Harnleiterabgangsengen links
rote Kurve: linke Niere
grüne Kurve: rechte Niere
funktionslose Niere rechts
rote Kurve: linke Niere
grüne Kurve: rechte Niere
Kernspintomographie
offene Kernspintomographie
Computertomographie
Mammographie, Röntgen
Angiographie
Digitale Subtraktions Angiogr.
Interventionelle Radiologie
Farbdoppler Sonographie
Nuklearmedizin
Therapie


